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music 2 Min. Lesezeit

Mit Googles Lyria 3.5 lässt sich ein Teil eines KI-Songs reparieren, ohne alles neu zu erzeugen

Die neue Funktion Selective Section Painting bearbeitet einzelne Songteile. Ein misslungener Refrain bedeutet damit nicht länger, den gesamten Titel neu zu generieren. Zu den Trainingsdaten schweigt Google weiterhin.

Risografie eines Notenblatts, aus dem ein einzelner Takt herausgehoben und zwischen konzentrischen Schallwellen auf einem separaten Blatt neu gemalt wird

Google hat mit Lyria 3.5 die neueste Version seines Musikgenerators veröffentlicht. Die wichtigste Neuerung ist nicht die Klangqualität, sondern dass man seine Meinung nachträglich ändern kann. Mit „Selective Section Painting“ lässt sich ein bestimmter Teil eines Titels bearbeiten – etwa eine Strophe, ein Refrain oder ein Schlagzeugübergang –, während der Rest unverändert bleibt.

Wer schon einmal ein KI-Musikwerkzeug benutzt hat, versteht sofort, warum das wichtig ist. Bisher ähnelte der Ablauf eher einem Spielautomaten als echter Bearbeitung: Prompt eingeben, ganzen Song erhalten und bei einer misslungenen Bridge erneut würfeln, in der Hoffnung, dass der Rest wieder gelingt. Die Abschnittsbearbeitung macht daraus eher das Arbeiten mit Ebenen in einem Bildeditor.

Nach Angaben von Google wurde auch das Modell selbst verbessert. Melodien klingen natürlicher, Texte gelingen besser und Stimmen wirken realistischer und sprechen deutlicher. Tempo und Titellänge lassen sich genauer steuern; selbst Gesang, Schlagzeug und Bass können einzeln in Tempo und Dauer angepasst werden. Die Stücke sind zwischen 30 Sekunden und drei Minuten lang. Kurze Melodieentwürfe können zu vollständigen Songs ausgebaut werden, statt verworfen zu werden. Lyria 3.5 ist ab sofort über Google Flow Music verfügbar.

Die interessante Veränderung betrifft nicht die Klangtreue, sondern die Bearbeitbarkeit. Generative Modelle arbeiten von Natur aus nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip: Aus einem Prompt entsteht ein fertiges Werk, kleine Korrekturen sind teuer, weil alle Bestandteile miteinander verflochten sind. Nur einen Ausschnitt neu zu erzeugen und den Rest stimmig zu bewahren, ist technisch schwierig. Dass dies nun gelingt, zeigt den Wandel vom Vorführspielzeug zum tatsächlichen Werkzeug. Bei Bildgeneratoren war dasselbe Muster vor einigen Jahren zu beobachten: Erst Inpainting machte aus Generatoren Programme, die Designer mehr als einmal öffneten.

Weiterhin verrät Google nicht, womit das Modell trainiert wurde. Zum Start von Lyria 3 erklärte das Unternehmen, das Trainingsmaterial dürfe YouTube und Google aufgrund ihrer Nutzungsbedingungen, Partnervereinbarungen und des geltenden Rechts verwenden – konkrete Quellen nannte es nicht. Auf Fragen zu den Trainingsdaten von Lyria 3.5 soll Google zunächst nicht geantwortet haben. Bei einer Technik, die auf der Musik anderer Menschen aufbaut, ist dieses Schweigen erwähnenswert.

Was das für dich bedeutet: Hast du noch nie Musik generiert, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Versuch. Der frustrierendste Teil – an einem beinahe gelungenen Stück festzuhängen – wurde gerade entschärft. Erzeugst du bereits Musik mit KI, macht die Abschnittsbearbeitung aus einer Spielerei einen Entwurf, den du weiterentwickeln kannst. Schreibst oder spielst du selbst Musik, solltest du vor allem die Frage nach den Trainingsdaten beobachten. Bessere Werkzeuge auf einer unklaren Grundlage ändern nichts daran, dass die Grundlage unklar bleibt.

Quellen

Quellen: https://blog.google/innovation-and-ai/models-and-research/google-labs/lyria-3-5/

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