ChatGPT kann jetzt beobachten, was du auf deinem Mac tust, wenn du es erlaubst
OpenAIs neue Funktion Computer History zeichnet Klicks, Eingaben und App-Wechsel unter macOS auf und macht daraus Erinnerungen für ChatGPT. Sie ist standardmäßig ausgeschaltet, und das Kleingedruckte ist lesenswert.
OpenAI hat in der ChatGPT-Desktop-App für macOS eine Funktion namens Computer History freigeschaltet. Wenn sie aktiviert ist, beobachtet die App deine Aktivitäten in den erlaubten Anwendungen und Websites, fasst den Verlauf schriftlich zusammen und lässt ChatGPT sowie Codex später darauf zurückgreifen. Du kannst fragen, woran du vor dem Mittagessen gearbeitet hast, wo sich das gestern geöffnete Dokument befindet oder eine Zusammenfassung deiner Woche für das nächste Teamgespräch anfordern.
Die Funktion ist standardmäßig ausgeschaltet. Pro-Nutzer können sie selbst aktivieren. In Business- und Enterprise-Arbeitsbereichen muss ein Administrator sie zuerst zulassen, danach entscheidet jede Person weiterhin selbst. Die Einführung erfolgt weltweit für diese Tarife. Die EU, die Schweiz und das Vereinigte Königreich folgen in den kommenden Wochen. Computer History benötigt das Memories-System von ChatGPT und funktioniert nicht über die API.
Interessant ist die technische Entscheidung. Computer History ersetzt Chronicle, eine frühere Vorschau, die mit Bildschirmfotos arbeitete. Die neue Funktion erstellt keine Bilder des Bildschirms. Stattdessen liest sie Interaktionsereignisse aus, die macOS über seine Bedienungshilfen bereitstellt: Klicks, Texteingaben, Tastenkürzel und App-Wechsel. Laut OpenAI entstehen Erinnerungen dadurch schneller und effizienter, und die App benötigt keine Berechtigung zur Bildschirmaufnahme. Der rohe Ereignisstrom liegt in einem isolierten Container auf deinem Mac, wird auf OpenAIs Servern zu Zusammenfassungen verarbeitet und nach 48 Stunden gelöscht. Die Zusammenfassungen selbst sind einfache Markdown-Dateien auf deiner Festplatte, die du öffnen, bearbeiten oder löschen kannst.
Der folgenreichste Teil ist, was die Zeitleiste mit den Daten macht. Erkennt das System wiederkehrende Arbeit, kann es vorschlagen, daraus eine wiederverwendbare Fähigkeit oder eine geplante Automatisierung zu bauen. Codex erstellt sie dann aus dem aufgezeichneten Ablauf. Das ist der eigentliche Zweck: kein Tagebuch, sondern ein Agent, der deine Routine durch Beobachtung lernt, statt sie erklärt zu bekommen.
Nun zu den Vorbehalten, die OpenAI selbst nennt. Die Erinnerungsdateien sind nicht verschlüsselt. Andere Programme unter deinem Mac-Benutzerkonto könnten sie daher lesen. Weil der Ereignisstrom Text aus Websites enthalten kann, vergrößert die Funktion die Angriffsfläche für Prompt Injection, bei der eine schädliche Seite versteckte Anweisungen hinterlässt, die der Assistent später ausführt. Da auch Chat-Apps erfasst werden können, empfiehlt OpenAI, die Funktion während Gesprächen mit anderen Menschen auszuschalten, sofern diese nicht vorher zugestimmt haben. Die Zusammenfassung verbraucht außerdem laufend Tokens.
Was das für dich bedeutet: Wenn du neugierig, aber noch nicht überzeugt bist, teste die Funktion am besten in einem reinen Arbeitsprofil mit einer kurzen Liste erlaubter Apps. Der Rechner für Bankgeschäfte und private Nachrichten ist kein guter Startpunkt. Du kannst Anwendungen ausschließen, die Aufzeichnung über die Menüleiste pausieren und die letzten zehn Minuten, eine Stunde, einen Tag oder alles löschen. Wenn du ein Team leitest, lautet die ehrliche Frage nicht, ob die Funktion nützlich ist. Das ist sie. Entscheidend ist, ob eure Einwilligungsregeln auch abdecken, dass Gespräche mit Kollegen zusammengefasst werden. Für alle anderen gibt es derzeit nichts zu tun, und in Europa noch einige Wochen lang nicht einmal die Option.
Quellen
Quellen: https://learn.chatgpt.com/docs/customization/computer-history
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