Mit einem einzigen Prompt entstehen spielbare 3D-Games, und sie sehen nicht mehr wie Bauklötze aus
Ein First-Person-Shooter, ein Kart-Rennspiel, ein U-Boot-Spiel und ein Minecraft-Klon wurden jeweils von Claude Opus 5 aus einem Prompt erzeugt, ohne externe Grafikdateien. Alles auf dem Bildschirm ist Code, der im Browser läuft.
In der vergangenen Woche hat sich in Teilen des KI-Internets ein kleines Genre verbreitet: Man bittet ein Modell um ein 3D-Spiel und bekommt ein spielbares zurück. Kein Mock-up und kein Video, sondern eine HTML-Datei, die sich im Browser öffnen und steuern lässt. Die Demos stammen von Claude Opus 5. Bemerkenswert ist nicht nur, dass sie existieren, sondern dass kein einziges externes Asset in ihnen steckt.
Matt Shumer veröffentlichte einen Shooter im Stil von Call of Duty, bei dem jede Textur auf dem Bildschirm aus generiertem Code besteht, samt Prompt und Quellcode auf GitHub. Alex Ermolov baute eine Snowboard-Demo und sagte, die Rutschphysik habe schon beim ersten Durchlauf gestimmt, ohne Darstellungsfehler. In Pietro Schiranos U-Boot-Spiel erzeugt das Modell 3D-Objekte, Texturen und Musik. Ryan Campbell stellte ein Kart-Rennspiel als spielbare Website online. Jemand namens Lentils packte Millionen von Grashalmen, die sich in simuliertem Wind biegen, in eine einzige Datei.
Minecraft aus einem einzigen Prompt nachzubauen, ist zum informellen Stresstest der Community geworden. Pankaj Kumars Version bietet eine unendlich prozedural erzeugte Welt mit 15 Biomen sowie Überlebens- und Kreativmodus; Texturen und Geräusche entstehen zur Laufzeit. Der Aufbau verbrauchte 25 Millionen Tokens.
Den deutlichsten Vorher-nachher-Vergleich lieferte ein Nutzer namens Chris. Er gab dieselbe Anfrage durch Claude 4 Opus aus dem vergangenen Jahr und durch Opus 5 aus diesem Jahr. Er bat um ein Auto auf einer Schotterstraße, ausdrücklich ohne Texturen. Vor einem Jahr entstanden flache Farbblöcke. Opus 5 lieferte Reifenspuren im Schlamm, Vegetation und mehrschichtige Beleuchtung.
Was dahintersteckt. Klassische 3D-Entwicklung setzt ein Spiel aus Einzelteilen zusammen: Grafikdateien aus einer Bibliothek, als Bilder geladene Texturen und eine Physik-Engine. Diese Demos haben nichts davon, und genau deshalb sind sie interessant. Die Geometrie ist prozedural, der Code berechnet Punkte und Oberflächen, während die Szene läuft. Die Texturen sind Shader, also ebenfalls Code. Die Physik ist von Grund auf geschrieben. Alles läuft mit Three.js im Browser, daher genügt eine Datei. Das verschiebt die Schwierigkeit: Das Modell muss wissen, wie die Welt tatsächlich aussieht und sich verhält, wie ein Brett über Schnee gleitet oder Wind durch Gras geht, denn im Prompt steht das nicht. Etwas anderes sind Googles Genie 3 oder videobasierte Weltmodelle: Sie berechnen jedes Bild und liefern einen nicht editierbaren Datenstrom zurück. Opus 5 erzeugt dagegen Code, den du öffnen und verändern kannst.
Ein fairer Vorbehalt: Das sind keine Benchmarks. Es gibt keine Standardaufgaben, keine Punktwertung und keine Kontrolle darüber, wie viele Versuche jedes Modell hatte, bevor jemand den guten veröffentlichte. Anthropics eigenes Startmaterial behauptet eine bessere visuelle Ausgabe, genau das sollen diese Demos belegen.
Was das für dich bedeutet: Wenn du schon einmal ein kleines Spiel bauen wolltest, aber an den Werkzeugen gescheitert bist, ist die Hürde deutlich niedriger geworden. Programmierkenntnisse brauchst du zum Ausprobieren nicht, auch wenn sie beim Prompting helfen. Bitte um etwas Konkretes und Kleines, etwa ein Physikspielzeug oder eine einzelne Mechanik, statt um ein komplettes Spiel. Für alle anderen ist das ein brauchbarer Hinweis auf eine schwierigere Frage: Wie viel weiß ein Modell darüber, wie sich die physische Welt verhält, wenn es niemand erklärt?
Quellen
KI findet massenhaft Sicherheitslücken. Fast keine davon wird angegriffen
VulnCheck zählte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.061 mit KI-Hilfe gefundene Schwachstellen. Vierzehn davon wurden nachweislich ausgenutzt, eine Quote von 1,3 Prozent, ungefähr so hoch wie bei anders gefundenen Lücken.