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amazon 2 Min. Lesezeit

Amazon stellt die Entwicklung der meisten eigenen KI-Modelle leise ein

Nova Premier, Omni, das Videomodell Reel und der Bildgenerator Canvas werden nur noch am Laufen gehalten. Die Ressourcen wandern zu einer neuen Frontier Model Research Group unter Pieter Abbeel.

Risografie einer Reihe von Fabrikmaschinen unter verstaubten Abdeckplanen, von denen nur die letzte noch läuft

Amazon fährt die meisten selbst entwickelten Nova-Modelle zurück. Das berichtet Business Insider unter Berufung auf Personen aus dem Unternehmen. Betroffen sind die Spitzenmodelle Nova Premier und Omni, das Videomodell Reel und der Bildgenerator Canvas. Für bestehende Kunden bleiben sie online, intern ist jedoch von einem reinen „Keep the lights on“-Betrieb die Rede: Die Modelle funktionieren weiter, werden aber nicht mehr verbessert.

Der Rückzug folgt auf Entlassungen in Amazons AGI-Sparte und die Schließung des AGI Lab, das der Konzern 2024 nach der Übernahme des Start-ups Adept gegründet hatte. Im Dezember 2024 stellte Amazon die Nova-Familie erstmals als Mittelweg zwischen Kosten und Leistung vor, nicht als Konkurrenten an der Forschungsfront. 18 Monate später erweist sich genau diese Mitte als ungünstigster Platz: Die Entwicklung ist teuer, für den Wettbewerb über Leistung reicht die Qualität nicht, und gegen die Flut offener Modelle sind die Produkte nicht billig genug.

Amazon verabschiedet sich damit nicht aus dem Rennen. Die Ressourcen fließen nun in eine neue Frontier Model Research Group unter Pieter Abbeel. Der Robotikforscher aus Berkeley kam durch die Übernahme von Covariant zu Amazon. Auf der re:Invent-Konferenz im Herbst soll ein neues Basismodell vorgestellt werden. Ein Unternehmenssprecher sagte Business Insider, KI-Modelle gehörten weiterhin zu Amazons wichtigsten Projekten.

Parallel dazu verfolgt Amazon eine zweite Strategie, die womöglich längst die eigentliche ist. Der Konzern gehört zu den größten Geldgebern von Anthropic und OpenAI; zusammen könnten die Investitionen mehr als 100 Milliarden US-Dollar erreichen. Wer ein riesiges Cloud-Geschäft und bedeutende Anteile an zwei der stärksten Modelllabore besitzt, hat wenig Grund, zusätzlich eigene Mittelklassemodelle zu entwickeln. Amazon verdient, wenn Kunden ihre Inferenz auf AWS ausführen – wessen Modell dort läuft, ist weniger wichtig. Ein viertbestes Modell zu bauen, das mit den eigenen Beteiligungen konkurriert, ist eine teure Form von Strategie.

Die Devise „investieren statt selbst bauen“ schafft allerdings Abhängigkeiten. Vermutlich existiert die Frontier-Gruppe genau deshalb. Amazon scheint seine bisherige Breite gegen einen einzigen ernsthaften Versuch einzutauschen.

Was das für dich bedeutet: Nutzt du Nova-Modelle über AWS Bedrock, funktionieren sie vorerst weiter. Langfristig solltest du trotzdem mit einem Wechsel rechnen, denn ein Modell im Wartungsmodus fällt innerhalb weniger Monate hinter den Markt zurück. Für Branchenbeobachter ist dies das bisher deutlichste Zeichen, dass sich die Mitte des Modellmarkts schließt: Frontier-Labore besetzen die Spitze, offene Modelle das günstige Ende. Für ein lediglich ordentliches, proprietäres Modell dazwischen bleibt kein Markt. Weitere ähnlich vorsichtig formulierte Ankündigungen dürften folgen.

Quellen

Quellen: https://www.businessinsider.com/amazon-ai-strategy-nova-models-frontier-model-research-2026-7

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