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Wer ist wer: Black Forest Labs, das deutsche Labor hinter Photoshop und Canva

Black Forest Labs wurde im August 2024 in Freiburg gegründet, beschäftigt rund hundert Menschen und liefert die Bildmodelle für Adobe, Canva und Picsart. Woher die Firma kommt, wem sie gehört, wie sie Geld verdient und was schiefgehen könnte.

Risografie-Illustration gedruckter Fotos, die lose auf einem Holzschreibtisch verteilt sind; ein Rahmen in der Mitte ist noch leer

Kurzprofil (Stand: 26. Juli 2026)

  • Gegründet: August 2024 in Freiburg im Breisgau, mit einem zweiten Standort in San Francisco
  • Beschäftigte: Das Unternehmen bezeichnet sich als Team aus 100 Personen; Firmendatenbanken führten im Mai 2026 rund 107
  • Hauptprodukt: die FLUX-Familie aus Bild-, Video- und Aktionsmodellen
  • Gesamtfinanzierung: mehr als 450 Millionen Dollar
  • Letzte Bewertung: 3,25 Milliarden Dollar, Dezember 2025
  • Wichtigste Investoren: Andreessen Horowitz, AMP, Salesforce Ventures, Nvidia, General Catalyst, Adobe Ventures, Figma Ventures, Canva und T.Capital der Deutschen Telekom
  • Umsatz: laut einer Schätzung des Analysehauses Sacra im August 2025 auf das Jahr hochgerechnet rund 96 Millionen Dollar; das Unternehmen selbst veröffentlicht keine Zahlen
  • CEO: Robin Rombach
  • In der EU verfügbar: ja, über eine eigene Oberfläche und Microsoft Azure, mit Rechenkapazität in Frankfurt

Wenn du in Adobe Photoshop generatives Füllen verwendet, mit Canva gestaltet oder Mistrals Chat-Assistenten um ein Bild gebeten hast, stammt das Ergebnis womöglich von einem Modell aus Freiburg im Breisgau. Nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus einer Universitätsstadt mit 230.000 Einwohnern am Rand des Schwarzwalds, näher an Basel als an Berlin.

Black Forest Labs wird in diesem Monat zwei Jahre alt. Die Firma beschäftigt ungefähr so viele Menschen wie eine mittelgroße Zahnarztkette und wird mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet. Damit ist sie Deutschlands wertvollstes Unternehmen für generative Medien, wenn auch nicht mehr das wertvollste KI-Unternehmen insgesamt: Der Münchner Softwareanbieter für Verteidigung Helsing nahm am 13. Juli 2026 bei einer Bewertung von 18 Milliarden Dollar 1,8 Milliarden Dollar auf.

Außerhalb der Branche kennt trotzdem kaum jemand den Namen Black Forest Labs. Gerade der Abstand zwischen Einfluss und Bekanntheit ist interessant, und beabsichtigt. Die Firma verkauft an Unternehmen, deren Namen du kennst.

Woher das Unternehmen kommt

Die Gründungsgeschichte beginnt mit einem Abschied.

Im März 2024 verließen mehrere zentrale Forscher hinter Stable Diffusion das britische Unternehmen Stability AI, das Bildgenerierung zum Massenphänomen gemacht hatte und sich damals laut zahlreichen Berichten in finanziellen Schwierigkeiten befand. Dazu gehörten Robin Rombach, Andreas Blattmann, Patrick Esser und Dominik Lorenz. Ihre gemeinsame Arbeit reicht weiter zurück: An der LMU München forschten sie an Latent Diffusion, der Technik, die hochwertige Bildgenerierung günstig genug für gewöhnliche Grafikkarten machte.

Dieser letzte Punkt erklärt alles Weitere. Latent Diffusion erzeugte nicht nur bessere Bilder, sondern machte das gesamte Verfahren bezahlbar. Davor brauchte ein ordentliches Bild Rechenleistung im Industriemaßstab. Danach genügte ein Gaming-PC.

Fünf Monate später, im August 2024, kündigte das Team Black Forest Labs mit 31 Millionen Dollar Seed-Kapital an, der ersten externen Finanzierung eines Unternehmens. Andreessen Horowitz führte die Runde an. Die Liste der Angel-Investoren verrät das Netzwerk: Garry Tan von Y Combinator, Oculus-Mitgründer Brendan Iribe, Hollywood-Agent Michael Ovitz und Timo Aila aus Nvidias Forschungsorganisation.

Auch der Standort war eine Aussage. In San Francisco hätte das Team dasselbe Geld mit weniger Nachfragen aufnehmen können. Es behielt den Hauptsitz in Deutschland und eröffnete in Kalifornien lediglich ein zweites Büro.

Was Black Forest Labs tatsächlich verkauft

Drei Dinge, absteigend nach Sichtbarkeit.

Modelle mit offenen Gewichten. Einige FLUX-Versionen kann jeder herunterladen und selbst betreiben. Die Namensgebung ist verwirrend und verdient eine Erklärung: [dev]-Versionen besitzen offene Gewichte, die trainierte Modelldatei ist also öffentlich, doch die Lizenz beschränkt die kommerzielle Nutzung. [schnell] ist die wirklich freizügige Variante. [pro] und [max] bleiben geschlossen. Die FLUX.2-Familie reicht von einem offenen Modell mit 32 Milliarden Parametern bis zu [klein]-Varianten mit 4 und 9 Milliarden Parametern. Letztere benötigen nur 13 Gigabyte Grafikspeicher und laufen damit auf einem gut ausgestatteten Heimcomputer.

Bezahlung pro Bild. Laut Preisliste vom Juli 2026 beginnen die kleinen [klein]-Modelle bei ungefähr 0,014 Dollar pro Bild, also rund 0,013 Euro. Premiumstufen kosten ab etwa 0,03 Dollar pro Megapixel Ausgabe. Im Azure-Marktplatz von Microsoft ist die ältere FLUX.1-Generation mit 40 Dollar pro 1.000 Bilder gelistet; FLUX.2 wird nach Megapixel berechnet. Für einen kleinen Betrieb mit einigen Hundert Bildern im Monat sind das Kleingeldbeträge. Für eine Plattform mit Millionen Bildern ist es ein echter Vertrag.

Unternehmenslizenzen und Plattformverträge. Hier wird das Geld verdient, für Verbraucher jedoch unsichtbar. Adobe Photoshop, Canva, Picsart, Burda, Krea und Deutsche Telekom arbeiten mit FLUX-Modellen. Berichte vom September 2025, die in Sacras Modellierung einflossen, bezifferten einen mehrjährigen Meta-Vertrag auf etwa 140 Millionen Dollar und den kombinierten Vertragswert der großen Plattformpartner auf rund 300 Millionen. Es handelt sich um externe Schätzungen, nicht um Unternehmenszahlen.

Am 23. Juli 2026 kündigte Black Forest Labs FLUX 3 an. Das Modell wurde in einer gemeinsamen Architektur mit Bildern, Video und Audio trainiert und um die Vorhersage physischer Handlungen erweitert. Es erscheint als FLUX 3 Video, Image, Action und Dev. Gleichzeitig kam FLUX-mimic, entwickelt mit dem Schweizer Robotikunternehmen mimic und laut beiden Firmen bereits bei Audi in der Produktionserprobung. Die entscheidende Behauptung: Eine Manipulationsaufgabe, die früher mindestens 30 Stunden an Roboterdemonstrationen benötigte, lasse sich mit nur 30 Minuten feinabstimmen.

Das Geld

Die Finanzierungsgeschichte besitzt eine Besonderheit: Eine Runde blieb zunächst geheim.

  • Seed, August 2024: 31 Millionen Dollar, angeführt von Andreessen Horowitz, mit General Catalyst und Match VC
  • Series A: die zweite institutionelle Runde, angeführt von Andreessen Horowitz, mit BroadLight Capital, Creandum, Earlybird, General Catalyst, Northzone und Nvidia. Sie wurde damals nicht öffentlich angekündigt und erst später offengelegt. Das Unternehmen nennt keine Summe; aus den veröffentlichten Gesamtwerten ergeben sich ungefähr 120 Millionen Dollar
  • Series B, 1. Dezember 2025: 300 Millionen Dollar bei einer Bewertung nach Einrechnung des neuen Kapitals von 3,25 Milliarden Dollar, gemeinsam angeführt von Salesforce Ventures und AMP, unter Beteiligung von Andreessen Horowitz, Nvidia und General Catalyst

Insgesamt hat die Firma mehr als 450 Millionen Dollar aufgenommen.

Beim Umsatz ist Vorsicht nötig. Sacra schätzte im August 2025 rund 96 Millionen Dollar annualisierten Umsatz, also den Ertrag eines aktuellen Monats auf ein volles Jahr hochgerechnet. Die Zahl stammt aus Vertragsberichten und Modellierungen, ist nicht geprüft und wird vom Unternehmen nicht veröffentlicht. Sollte sie ungefähr stimmen, erzielte eine Firma mit rund hundert Beschäftigten nahezu eine Million Dollar Umsatz pro Kopf, ein Verhältnis, das die Bewertung von 3,25 Milliarden erklärt. Ist die Schätzung falsch, wettet die Bewertung auf die Modelle statt auf das Geschäft. Von außen lässt sich keine der beiden Lesarten bestätigen.

Die Kostenseite ist leichter zu erkennen. Das Training von Bild- und besonders Videomodellen verschlingt Rechenleistung. Black Forest Labs betreibt Kapazitäten in Frankfurt und Virginia. Nvidia ist zugleich Lieferant und Anteilseigner, eine Verbindung, auf die man in dieser Branche achten sollte.

Wem es gehört und wer es führt

Das Aktienregister ist nicht öffentlich, doch die Grundform lässt sich erkennen. Ein Detail übersehen die meisten Berichte.

Mehrere der größten Kunden sind zugleich Anteilseigner. Adobe Ventures, Figma Ventures, Canva und T.Capital, der Investmentarm der Deutschen Telekom, stehen auf der eigenen Investorenliste. Adobe und Canva sind also nicht bloß Plattformpartner, sondern Partner mit einer Beteiligung an dem Lieferanten, von dem sie abhängen.

Das wirkt in beide Richtungen. Die Beziehungen sind stabiler als ein normaler Vertrag, was das Risiko der Kundenkonzentration abmildert. Zugleich sitzen wenige große Plattformen mit am Tisch, wenn entschieden wird, was gebaut und was offen gehalten wird.

Amerikanisches Kapital gibt weiterhin das Tempo vor. Andreessen Horowitz führte Seed und Series A an und beteiligte sich an der Series B. Salesforce Ventures und AMP führten die Series B gemeinsam. Europäische Investoren sind dabei, Creandum aus Schweden, Earlybird aus Deutschland, Northzone aus dem Norden und T.Capital aus Bonn, doch keiner führte eine Runde.

Ein Name zieht sich durch die gesamte Geschichte. Anjney Midha leitete die Seed-Runde als General Partner bei Andreessen Horowitz. Ende 2025 verließ er die Firma, gründete AMP und führte von dort die Series B mit an. Dieselbe Person hat das Unternehmen über drei Runden und zwei Arbeitgeber hinweg unterstützt.

Die Gründer behalten die operative Kontrolle. Robin Rombach ist CEO. In einem forschungsgetriebenen Unternehmen zählt das besonders: Der Vermögenswert, der zur Tür hinausgehen könnte, ist derselbe, der Stability AI 2024 verlassen hat.

Die entscheidenden Personen

Robin Rombach, Mitgründer und CEO. Erstautor des Papers zu Latent Diffusion, das moderne Bildgenerierung praktikabel machte, später Forschungsleiter bei Stability AI. Wegen ihm betrachten Investoren das Team als tatsächliche Abstammungslinie von Stable Diffusion statt als Nachahmung. Seine öffentliche Vorstellung ist ungewöhnlich konkret: Visuelle Informationen seien das Signal mit der höchsten Bandbreite über die physische Welt; eine Architektur solle gemeinsam mit Bildern, Video, Audio und Handlungen trainiert werden.

Patrick Esser, Mitgründer. Gemeinsam mit Rombach Autor der früheren VQGAN-Arbeit zur hochauflösenden Bildsynthese, die das Unternehmen selbst als Beginn seiner Entwicklungslinie bezeichnet. Später arbeitete er bei Stability AI.

Andreas Blattmann, Mitgründer. Arbeitete in München und bei Stability daran, Latent Diffusion von Standbildern auf Video zu erweitern, genau die Richtung, die Black Forest Labs mit FLUX 3 eingeschlagen hat.

Dominik Lorenz, Mitgründer. Vierter Vertreter der ursprünglichen Forschungsgruppe und Teil derselben Arbeiten, auf denen das offene Ökosystem zur Bildgenerierung beruht.

Das ist das Ungewöhnliche: Kein Geschäftsteam hat Forscher eingestellt. Die Gründer sind die Forscher, und ihre Modelle wurden nach Unternehmensangaben mehr als eine halbe Milliarde Mal heruntergeladen.

Anjney Midha, Investor und Unterstützer auf Vorstandsebene. Finanzierte die Firma zunächst über a16z und später über seinen eigenen Fonds AMP. Er steht auch Mistral nahe. Wer verstehen will, wie wenige Menschen bestimmen, welche europäischen KI-Unternehmen skalieren dürfen, findet bei ihm einen guten Ausgangspunkt.

Wo die Firma stark und schwach ist

Stark. Das duale Lizenzmodell funktioniert: genug verschenken, damit Entwickler darauf bauen, den Rest verkaufen. Offene Fassungen auf Hugging Face schaffen Nutzung, Bekanntheit und kostenlose Verbesserungsarbeit; geschlossene Stufen und Plattformverträge bringen das Geld. Es ist das Red-Hat-Modell für Modellgewichte, und bei Bildern beherrscht es niemand besser. Die Kapitaleffizienz ist tatsächlich selten: rund hundert Menschen, möglicherweise ein dreistelliger Millionenumsatz auf Jahresbasis und Modelle in Produkten mit Hunderten Millionen Nutzern.

Schwach. Drei Punkte.

Bildgenerierung wird schnell zur Standardware. Wenn OpenAI, Google und Adobe sie in bereits bezahlte Abos integrieren, wird aus einem eigenen Produkt eine Funktion, und der Preisdruck steigt.

Der Kundenstamm ist konzentriert, und Partner gehen. xAI verwendete FLUX in Grok und wechselte später zu einem eigenen Bildmodell. Sifted berichtete im April 2025 vom Ende der Zusammenarbeit; der genaue Zeitpunkt blieb unklar.

Die Ambitionen bei Video und Robotik sind teuer. Der Schritt von Bildern zu Video mit Ton und weiter zur Vorhersage von Handlungen vervielfacht die Rechenkosten, während zugleich die Margen bei Bildern sinken. FLUX 3 ist die Wette, rechtzeitig in eine wertvollere Kategorie aufzusteigen, bevor die untere zusammengedrückt wird.

Die europäische Perspektive

Hier unterscheidet sich das Profil von einem amerikanischen.

Verfügbarkeit und Verarbeitung. Die Modelle sind über die eigene Oberfläche und Microsoft Azure erreichbar; Rechenkapazität steht in Frankfurt. Für europäische Käufer ist das ein Ausgangspunkt, aber eine Kapazität ist noch kein Versprechen. Black Forest Labs verpflichtet sich nicht öffentlich zur ausschließlichen Verarbeitung in der EU, genau danach würde ein Compliance-Verantwortlicher fragen.

Offene Gewichte verändern die Compliance-Lage. Nach dem EU AI Act müssen Anbieter allgemeiner KI-Modelle Dokumentationspflichten erfüllen. Bei einer wirklich freien und offenen Lizenz entfallen einige davon; Urheberrechtsvorgaben und eine Zusammenfassung der Trainingsinhalte bleiben. Black Forest Labs unterhält eine öffentliche Offenlegungsseite zu seinen Trainingsdaten. Ob sie jede juristische Auslegung erfüllt, müssen Anwälte beantworten. Für diese Branche ist die Richtung ungewöhnlich transparent.

Das Erbe, dessen Preis niemand kennt. Die frühere Arbeit der Gründer ist Teil der Urheberrechtsstreitigkeiten aus der ersten Welle der Bildgenerierung, darunter Verfahren gegen Stability AI in den USA und Großbritannien. Sie richten sich gegen Stability, nicht gegen Black Forest Labs; die Unterscheidung ist wichtig. Trotzdem kauft jeder europäische Kunde für Bildmodelle in ein ungeklärtes Rechtsgebiet ein. Die Transparenzseite wirkt wie die Reaktion eines Unternehmens, das das weiß.

Und es ist ein deutscher Lieferant für die europäische Industrie. Deutsche Telekom ist Kunde und Investor. Burda testet FLUX 3, Audi das Robotikmodell. Diese Position ist enger als der Sieg mit einer Verbraucher-Chat-App, dafür besser zu verteidigen.

Worauf als Nächstes zu achten ist

Drei Fragen, die sich konkret überprüfen lassen.

Erscheint die Version von FLUX 3 mit offenen Gewichten tatsächlich noch dieses Jahr? Die Ankündigung versprach für später 2026 schnellere und offene Varianten. Eine Verzögerung oder stark beschnittene Veröffentlichung würde zeigen, dass sich das Gleichgewicht von der Community zum Unternehmensgeschäft verschiebt, und damit den Charakter der Firma verändert.

Wird aus dem Audi-Test ein Vertrag? Robotik begründet die Architektur von FLUX 3. Ein benannter Produktionseinsatz mit Mengenangaben wäre die Bestätigung. Bleibt es nach der Ankündigung still, deutet das auf das Gegenteil.

Woher kommt die nächste Runde? Bisher wurde jede Finanzierung aus den USA angeführt. Eine europäisch geführte Wachstumsrunde wäre ein echtes Signal dafür, dass Europa seine eigenen Champions finanzieren kann. Führt erneut ein US-Fonds, lautet die Antwort weiterhin nein.

Quellen

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